Kirchenmusik und Corona

Gruß am 20. Mai 2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

all unser Tun ist immer noch von einem Virus beeinflusst. So hat das Coronavirus SARS-CoV-2 auch Auswirkungen auf die kirchenmusikalische Arbeit.

Nach wie vor geht es darum, die Verbreitung der Krankheit zu verlangsamen und damit eine möglichst gute medizinische Betreuung für alle Infizierten zu ermöglichen und eine 2. Infektionswelle zu vermeiden. Ziel ist es, Zeit zu gewinnen für die Forschung, mit der diese Pandemie in den Griff zu bekommen ist.

Das hat bisher sehr gut funktioniert, da wir viele unserer sozialen Kontakte reduzierten. Wir retteten also Leben, wenn wir uns nicht trafen. Verantwortliches Handeln bestand im "Ausfallen lassen". Das war ein für Musizierende gewöhnungsbedürftiges Verhalten, welches in der kirchenmusikalisch üblicherweise dichten Passion- und Osterzeit besonders schmerzte. Danke für den verantwortungsbewussten Umgang in der frühen Phase der Pandemie. 

Nun sind wir in einer Phase der Öffnung. Das Virus ist noch nicht gefahrlos gemacht, aber momentan so weit unter Kontrolle, dass vorsichtige Versuche der Aktivierung sozialen Lebens gemacht werden.

Das geschehe, so die Vorstellung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, behutsam und mit Vorsicht. Somit können seit dem 10 Mai wieder Gottesdienst in Kirchen stattfinden. Das geschieht unter strengen hygienischen Vorgaben und mit der traurigen Tatsache, dass das Singen und Ensemblemusizieren dabei noch nicht machbar ist.

Woran liegt das? Es ist noch nicht vollstänfig erforscht, welche Infektionsgefahr die so genannten Aerosole bilden. Dieser feine und leichte Atemwind mag, so die Vermutung, Coronaviren übertragen können. Andrerseits sorgt insbesondere die Singerei, aber auch die Bläserei für einen tiefen Einatem der Ausführenden, der die Viren sehr schnell und tief in die Lunge transportiert. 

Einerseit gibt es zahlreiche Beispiele für Massenerkrankungen im Chor- und Posaunenchorbereich. Andererseits liegen uns Zwischenergebnisse von Forschungsprojekten vor, die alle aussagen, dass die Virenbelastung durch Aerosole noch nicht bestimmbar ist.  

Und so bleiben wir vorsichtig, langsam öffnend und beobachtend - immer mit dem Ziel, Menschen nicht zu gefährden. Das ist nicht immer einfach, bei einem diffusen Forschungszwischenstand, bei häufig sehr verkürzter Berichterstattung über Medien und über Social Media, aber auch bei den Entwicklungen der Öffnung in den diversen Bereichen der Gesellschaft. Und all das im Kontext der Spielfreude, die unser Musiker*innenleben ausmacht.

Da mag man sich schnell fragen, warum der eine Bereich schon geöffnet ist und das gemeinsame Musizieren noch so eingeschränkt. Gerecht klingt das nicht. Das allerding, so will ich es deutlich sagen, ist kein Kriterium. Und wir befinden uns auch nicht in einem Gesellschaftsspiel, in dem "der erste" gewinnt. Einziges Kriterium ist, dass wir verantwortungsvoll auf die kirchlichen Arbeitsbereiche schauen und mit möglichst geringer Gefährdung diese Lebensphase vorbildlich überwinden und dann, wenn es wieder möglich ist, loslegen. Dann werden wir gewonnen haben und dann wird es klingen...  

Auf dieser Seite finden Sie möglichst aktualisierte Informationen für den kirchenmusikalischen Bereich unserer Landeskirche. Momentan gelten die Regelungen vom 8. Mai. Gleich nach Pfingsten werden sie kritisch betrachtet und aktualisiert. Weitere Informationen finden die hauptamtlich Mitarbeitenden im Intranet unter http://intranet/arbeitsbereich/Corona/default.aspx

Ihnen wünsche ich eine möglichst gesunde Lebensphase und auch, dass Sie die Chance des Lebensritardandos nutzen können.

 

Herzliche Grüße

Uwe Maibaum
Landeskirchenmusikdirektor